Wiener Schule des Phantastischen Realismus
Klitsch
Ein Werk zwischen präziser Maltechnik und visionären Bildwelten. Diese Seite bewahrt das künstlerische Erbe von Peter Klitsch und macht sein Lebenswerk zugänglich.
Peter Klitsch
Dreifaches Selbstporträt
Öl auf Hartholz, 1995–1998
Peter Klitschs Arbeiten sind geprägt von detailreicher Bildsprache, symbolischer Tiefe und außergewöhnlicher Vorstellungskraft. Über viele Jahrzehnte entwickelte er einen unverwechselbaren Stil, der Elemente des Phantastischen Realismus mit seiner ganz persönlichen künstlerischen Handschrift verband. Die folgende Auswahl spannt den Bogen von den frühen Tuschezeichnungen der 1950er-Jahre bis zu den späten Selbstporträts.
„Die Phantasten arbeiten immer mit ihrer Phantasie und drücken eine reale Welt in einer phantastischen Komposition aus — so entsteht eine ganz neue Welt."
Peter Klitsch im Gespräch mit Kenji Klitsch, Februar 2021
Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk. Das vollständige Werkverzeichnis wird im Rahmen der Nachlassverwaltung geführt — Anfragen dazu gerne über den Kontakt.
Klitsch beherrschte die aufwendige Öl-Lasurtechnik nach dem Vorbild der alten Meister — jene Schichtung transparenter Farbe, die seinen Bildern Leuchtkraft und Tiefenwirkung verleiht. Über die Jahrzehnte erweiterte er sein Repertoire beständig.
Die klassische Technik der alten Meister: mehrere Schichten transparenter Farbe, übereinandergelegt, ergeben eine glatte Oberfläche mit einer Illusion von Tiefe. Fertige Bilder wurden mit Leinölfirnis konserviert.
Für Graphik, Zeichnungen und Illustrationen. Die Strichführung seiner Zeichnungen gilt als souverän — dicht gearbeitet und dennoch leicht, als sei das Motiv in das Papier hineingetaucht.
Klitschs Reisebegleiter bis ins hohe Alter. Farb- und Aquarellmalkasten samt Zeichenblock waren auf fast jeder Reise im Gepäck — von der Ostsee über die Galápagos-Inseln bis Ostafrika.
Seit seinen ersten Japan-Aufenthalten malte Klitsch ausschließlich mit japanischen Kalligrafiepinseln, mit denen traditionell Shodō gestaltet wird. 1976 studierte er in Kyoto die Technik des japanischen Holzschnitts.
Ein unverkennbarer Stil in der Druckgraphik. Klitsch besaß eine eigene Druckerpresse und arbeitete jahrzehntelang an Radierungen, Kupferstichen und Farblithographien.
Als Bildhauer arbeitete Klitsch in Ton, später in Stein. Rund um die Jahrtausendwende entstanden Kunstglasfenster nach Kirchenfenster-Vorbild mit Lötzinn und koloriertem Glas, dazu Brunnen und Skulpturen im öffentlichen Raum Niederösterreichs.
Baum der Sinne · Öl auf Hartholz, 2008
Vom 8. bis 29. Mai 2026 waren in der Marokkanergasse 7 in Wien ausgewählte Werke aus dem Nachlass zu sehen — die erste Ausstellung nach dem Tod des Künstlers, organisiert von seinem Enkel Kenji Klitsch. Gezeigt wurde ein Querschnitt durch sechs Jahrzehnte: frühe Tuschezeichnungen aus den 1950er-Jahren, die großen Ölarbeiten, Druckgraphik und die späten Selbstporträts. Zur Finissage am 29. Mai wurden ausgewählte Arbeiten versteigert.
Ort
Marokkanergasse 7
1030 Wien
Dauer
8. – 29. Mai 2026
Vernissage
8. Mai 2026
Finissage & Auktion
29. Mai 2026
Die Auseinandersetzung mit dem Werk meines Großvaters Peter Klitsch begann im Rahmen meiner vorwissenschaftlichen Arbeit über den Phantastischen Realismus. In dieser Zeit begann ich, mich intensiver mit seinem künstlerischen Schaffen zu beschäftigen und gemeinsam mit ihm seine Werke zu dokumentieren und zu katalogisieren.
Während vieler Gespräche und Begegnungen entstand die Idee, sein Werk eines Tages in einer eigenen Ausstellung zu präsentieren. Nach seinem Tod wurde es für mich zu einer persönlichen Aufgabe, dieses gemeinsam begonnene Projekt weiterzuführen.
Die Ausstellung verstand sich daher auch als Reflexion dieser gemeinsamen Arbeit — der Zeit, die wir miteinander verbracht haben, und des Versuchs, sein künstlerisches Vermächtnis sichtbar zu machen.
Kenji Klitsch
Kenji & Peter Klitsch · Juli 2005
Peter Klitsch war Maler, Zeichner, Bildhauer — und ein Abenteurer. Wer ihn verstehen will, muss beides zusammendenken: die Geduld eines Handwerkers, der Lasur auf Lasur legt, und die Ruhelosigkeit eines Menschen, der Rennen fuhr, segelte, flog und die halbe Welt bereiste.
„Nur das tun, was einem Spaß macht."
Peter Klitschs Lebensmotto
1934 – 1950 · Wien
Peter Klitsch wurde am 2. Mai 1934 in Wien geboren, wenige Monate nach dem Ausbruch des österreichischen Bürgerkriegs. Sein Vater, der Schauspieler Wilhelm Klitsch, war Mitglied des Ensembles des Wiener Volkstheaters und für seine Sprachkultur berühmt — nach ihm ist bis heute die Klitschgasse in Hietzing benannt.
1941 starb der Vater nach einem Unfall. Peter wuchs bei seiner Mutter Elfriede und den Großeltern auf. Im letzten Kriegsjahr wurde er aus Sicherheitsgründen aus der Schule genommen und tauschte selbstgebaute Modellflugzeuge gegen Nahrungsmittel — eine frühe Verbindung von Handwerk, Fliegerei und Notwendigkeit, die sein Leben prägen sollte.
1951 – 1954 · Akademie
Klitsch war kein guter Schüler. Er flog aus der siebten Klasse, interessierte sich für Sport und Mädchen und meldete sich beim Rekrutierungsbüro der Französischen Fremdenlegion — Französisch konnte er, und das große Abenteuer lockte.
Sein Zeichenprofessor Ernst Höfinger erfuhr davon und wusch ihm gründlich den Kopf. Dann schrieb er einen Brief ans Unterrichtsministerium und erklärte den Jungen zum hochtalentierten Ausnahmefall. Mit dieser Erklärung erhielt Klitsch eine Studienberechtigung für die Akademie für angewandte Kunst — ohne Matura, die er zwei Jahre später nachholte.
In Wien besuchte er die Abende im Art Club, jener legendären Nachkriegs-Plattform für junge Künstler aller Sparten. Friedrich Gulda spielte dort Klavier; in den Pausen übernahmen Klitsch und sein Freund Helmut Leherb den Boogie-Woogie. Honorar: ein Gulasch und ein Bier. Irgendwann durfte er ein Bild aufhängen. Dann ein zweites. Dann kam die Einladung zur eigenen Ausstellung.
Das war zu jener Zeit als aktiver Kunststudent verboten. 1954 wurde Klitsch von der Akademie ausgeschlossen — wie auch seine Bekannten Helmut Kies und Helmut Leherb.
1954 – 1962 · Stockholm, Bern, Baden
Noch im selben Jahr fuhr Klitsch per Autostopp mit Leherb nach Schweden. Sie schrieben sich an der Königlichen Kunsthochschule Stockholm ein, bewarben sich erfolgreich um ein Stipendium — und gingen danach nicht mehr hin. Beim schwedischen Maler Nils Appelmann Öberg fanden sie Wohnung und Atelier; er brachte ihnen Feinmalerei bei, sie ihm das Malen „à la Wien". An Appelmanns Kundin, die Gräfin Lola Salin, verkaufte Klitsch sein erstes Bild.
Die erste Einzelausstellung fand in Bern statt — vermittelt über eine Juweliersfamilie, bei der er als Pfadfinder nach dem Krieg zu Gast gewesen war. Er setzte sich mit ein paar Bildern in den Zug und verkaufte den Großteil.
Um vom Malen leben zu können, ging Klitsch Mitte der 1950er als Croupier zur Österreichischen Casino AG: Baden, im Sommer Velden am Wörthersee, im Winter Kitzbühel. Parallel entdeckte er den Motorsport — Bergrennen, Rallyes, Straßenrennen, darunter die Mille Miglia in Italien. 1962 eröffnete er mit den Freunden Kurt Regschek und Richard Matouschek die Wiener Galerie zur silbernen Rose. Im selben Jahr wurde er laut Prof. Johann Muschik öffentlich als Mitglied der Wiener Schule des Phantastischen Realismus wahrgenommen.
1966 – 1978 · Japan
1966 lud ihn der Journalist Dr. Peter Rindl, Presseattaché an der österreichischen Botschaft in Tokyo, zu einer Ausstellung nach Japan ein. Klitsch reiste über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Wladiwostok — zehn Tage — und weiter per Schiff nach Yokohama.
Die Ausstellung wurde ein vollständiger Erfolg: Alle Bilder verkauft. Botschafter Otto Eiselsberg lud ihn ein, in der Botschaft zu wohnen. Die einzige Bedingung: um sechs Uhr morgens gemeinsam schwimmen zu gehen — für den notorischen Spätaufsteher Klitsch eine echte Prüfung.
Es folgten Ausstellungen in Nagoya, Yokohama und Sapporo, Vorträge über phantastische Malerei und österreichische Kunst. In Japan lernte er die Kunsthändlerin und Fotografin Mihoko Ogawa kennen; 1971 heirateten sie in Langenlois. Während dieser Aufenthalte entstanden 41 Miniaturen in Öl und Öl-Lasur auf Hartholz — im damals üblichen Fotoformat, 7 × 10 cm.
1967 – 1992 · Die Welt
Klitsch tauschte Bilder gegen Erlebnisse. Der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt beauftragte ihn, sein Segelschiff zu malen — und lud ihn dafür auf die Galápagos-Inseln ein, später erneut nach Bali. Skizzen und Aquarelle entstanden auf all diesen Reisen: Ostsee, Israel, Ostafrika, USA, Thailand.
Auf der Rückreise aus Japan traf er den Amerikaner Charles J. Quilter II. — Pilot, Japankenner, Leiter des kalifornischen Pavillons der Weltausstellung Osaka 1970. Aus der Begegnung an Bord wurde eine lebenslange Freundschaft. Bei Quilter in Laguna Beach absolvierte Klitsch 1981 seinen Privatpilotenschein.
1992 nahm er am ersten Flugrennen rund um die Welt teil: Genf, Helsinki, Moskau, quer durch Sibirien nach Anadyr, über das Beringmeer nach Nome in Alaska, Kalifornien, Grönland, nonstop über den Atlantik nach Shannon, Ziel Cannes. Von der US-Westküste zur Ostküste — von Quilter vom Boden aus per Funk gecoacht — wurden sie Zweite von rund sechzig Crews. Finanziert hatte das Ganze sein Bankdirektor, ein ehemaliger Kampfpilot, gegen ein paar Bilder als Sicherheit im Tresor.
1978 – 2024 · Stiefern im Kamptal
1978 zog Klitsch ins niederösterreichische Stiefern im Kamptal. Auf die Frage, warum er die Großstadt verließ, antwortete er schlicht: Wenn er aus dem Fenster schaue, sehe er Bäume, den Himmel, Blumen — und den Winter. Das passe. Was ein Künstler brauche, sei Ruhe und ein Ambiente, das einem entspricht.
1984, zu seinem 50. Geburtstag, zeigte die Albertina sein gesamtes graphisches Werk und kaufte selbst eine bedeutende Auswahl an — für Klitsch das größte Privileg seiner Laufbahn. Im selben Jahr organisierte die Stadt Krems eine Reihe von Ausstellungen quer durch Österreich. 1987 wurde er Gastprofessor an der Universität Okinawa.
In den letzten Jahren zwang ihn eine Makuladegeneration, die Malerei aufzugeben. Als am 24. Jänner 2021 sein Kollege Arik Brauer starb — der Letzte der Gründergeneration — stellte Klitsch dennoch einen Spiegel auf und zeichnete acht Selbstporträts. Er widmete sie Brauer, posthum. Es war sein letztes Werk.
Peter Klitsch starb 2024. Seine Arbeiten finden sich in Privatsammlungen auf der ganzen Welt sowie in der Landessammlung Niederösterreich und der Albertina.
Derzeit ist keine Ausstellung geplant.
Informationen zu künftigen Ausstellungen werden hier veröffentlicht. Für Anfragen zu Leihgaben oder Ausstellungskooperationen nehmen Sie gerne Kontakt auf.
In einem persönlichen Gespräch gibt Peter Klitsch Einblicke in seine Gedanken zur Malerei, zu seinem künstlerischen Werdegang und zu den Ideen hinter seinen Bildwelten. Geführt von Kenji Klitsch im Februar 2021 in Stiefern im Kamptal.
Zum Interview (PDF)Eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Werk entstand im Rahmen einer vorwissenschaftlichen Arbeit über den Phantastischen Realismus. Die Arbeit untersucht kunsthistorische Hintergründe der Bewegung und ordnet Klitschs Schaffen in diesen Kontext ein.
Arbeit lesen (PDF)Der künstlerische Nachlass von Peter Klitsch wird von seinem Enkel Kenji Klitsch betreut. Für Anfragen zu Werken, Leihgaben, Ausstellungen, Presse oder wissenschaftlicher Nutzung stehen wir gerne zur Verfügung.